Ob nicht längst die Zeit dafür gekommen ist, unter unsere Vergangenheit einen Schluss-Strich zu ziehen? Nein, denn beim Thema „Israel“ geht es um Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Als unter der Nazi-Diktatur eine Staatsgründung undenkbar war, wagte Mutter Basilea Schlink selbst vor der Gestapo zu der Aussage zu stehen, dass Israel eine große Zukunft zu erwarten habe. Das ergab sich für sie als klare Folge der Gültigkeit der Heiligen Schrift. Darum gehört es zum Kern unserer Berufung als Kommunität, über konfessionelle und nationale Grenzen hinweg zur Versöhnung und Wiederherstellung unserer Beziehung zum Bundesvolk Gottes beizutragen.

Schon seit 1957 leben Schwestern in Israel für den Dienst an Holocaust-Überlebenden, zunächst im Norden des Landes, später in Jerusalem. Bereits 1958 erschien Mutter Basileas Buch „Israel – Mein Volk“, das weltweit für viele zum Augenöffner wurde.

1962 wurden weitere Schwestern ausgesandt, um Pilger zu begleiten und vom Ölberg aus durch Gebet und Anbetung den Weg für Jesu Wiederkunft zu bereiten. Zu dieser Zeit war Ostjerusalem noch unter jordanischer Herrschaft und weitgehend bedeutungslos. Das begann sich erst allmählich nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967 zu ändern. Heute konzentriert sich das Weltinteresse auf diese Stadt. Der Umschwung ist verständlich, weil wir uns der Vollendung der Heilsgeschichte nähern. Nach Aussage der Heiligen Schrift soll von hier aus erfüllt werden, was die Gemeinde Jesu zu allen Zeiten im Vaterunser gebetet hat: „Dein Reich komme!“

Der Gebetsauftrag auf dem Ölberg wird seit 2002 von der Jerusalemgemeinde Berlin weitergeführt (vaterhaus.jerusalemgemeinde.de)

Damit „Sein Reich komme“, gehört es zu unserem Auftrag, Gottes Bundesvolk Israel die Steine aus dem Weg zu räumen, die ihnen seit Jahrhunderten von uns Christen den Weg zu Jesus, ihrem Messias, blockiert haben (Jes. 62,10). Bereits in der frühen Kirchengeschichte bahnte sich eine unheilvolle Entwicklung an, die zur ersten Kirchenspaltung führte – zur Trennung von unserer jüdischen Mutterkirche. Eine Spaltung folgte der anderen bis heute, und sie alle haben dem Christus-Zeugnis vor der Welt tief geschadet. Ein Zeichen der Hoffnung ist die in Israel und über der ganzen Welt wachsende Gemeinde unserer messianisch-jüdischen Geschwister, die uns besonders nahe stehen (s. Towards Jerusalem Council II, TJCII.org).

Jesus, der große Gute Hirte, wollte von Anfang an die Schafe aus den anderen Hürden gemeinsam mit Seinen jüdischen Schafen führen und weiden als „eine Herde unter einem Hirten“ (Joh 10.16). Doch ohne auf die Stimme des Hirten zu achten, liefen wir Schafe aus den Heidenvölkern in die Irre und folgten der falschen Spur. Das führte schließlich zu einem Judenhass, der sogar oftmals theologisch begründet wurde und durch alle Jahrhunderte zu entsetzlichen Pogromen führte. Blutschuld häufte sich auf Blutschuld und gipfelte schließlich im Holocaust, dessen letzte Zeitzeugen noch unter uns sind.

Jesu Absichten ändern sich nicht. Auch wenn wir die Uhr der Kirchengeschichte nicht zurückdrehen können, soll die Gemeinde Jesu sich bereiten für die Stunde, in der unser Herr und König die Heilsgeschichte mit Seinem Volk und allen Nationen zum Ziel führen wird – und zwar von dem Ort aus, an dem sie begonnen hat. Darum erklärt sich von selbst, dass Israel und Jerusalem immer mehr zum Brennpunkt wird, zum heiß umkämpften strategischen Ort, von dem aus unsere Welt erneuert werden soll. Dort wird sich die Zukunft der Kirche entscheiden.

Gebete für Israel