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Als das Grauen des Holocaust offenbar wurde, erhob sich die Frage: Wie konnte das geschehen? Die schreckliche Wahrheit ist, daß der Holocaust nichts anderes war als der Höhepunkt von jahrhundertealtem Haß und heftiger Verfolgung, oft genug geschürt durch christliche Theologie.
Ich fühle mich zutiefst getroffen - als Christ und als Deutsche, denn seit dem Mittelalter sind Juden in deutschen Städten zu Tausenden gnadenlos umgebracht worden. Mutter Basilea Schlink, die Gründerin unserer Schwesternschaft, schreibt in ihrem Buch Israel, Mein Volk, so bewegend davon, wie jeder, der Gottes Volk antastet, Gott selbst antastet, denn Israel ist Sein Augapfel (siehe Sach. 2,12).
Wenn wir die Grausamkeiten betrachten, die im Lauf von 2000 Jahren Kirchengeschichte im Namen Christi an den Juden begangen wurden, können wir die Jahrtausendwende nicht feiern, ohne zuerst mit reuevollem Herzen zu bekennen, welch ein Schmerz uns diese Vergangenheit ist. Durch unser unchristliches Denken und Tun haben wir Schmach und Schande auf den Namen Jesu gehäuft und ihn den Juden, dem Volk Gottes, stinkend gemacht ...
Und so wollen wir heute beten, daß Christen überall in der Welt innerlich gedrängt werden, die Jahrtausendwende mit einem Bußgottesdienst zu begehen - im Geist der Einheit, eingedenk unseres gemeinsamen christlichen Erbes. Anregungen dafür sind bei unserem Verlag erhältlich.
Die folgenden Auszüge aus jüdischen und christlichen historischen Quellen sind eine kurze Zusammenfassung der entsetzlichen Fakten, wie die Christenheit mit den Juden umgegangen ist - Fakten auf dem Weg zum Holocaust. In dieser knappen Darstellung kann auf die jeweilige Zeitgeschichte leider nicht näher eingegangen werden. Dafür sei auf die am Schluß angegebene Literatur hingewiesen.
Schwester Pista
Evangelische Marienschwesternschaft e.V., Oktober 1997
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Wie alles anfing
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Wohl war es in der christlichen Urgemeinde so gewesen, daß Juden und Heiden sich um Jesus zusammenfanden und in Jesus eins waren, weil der Zaun zwischen Juden und Heiden niedergerissen war. Es war eine Herde und ein Hirte. Doch als sich das Bild dann später verschob und es der Zahl nach mehr Heiden waren, die in die christliche Gemeinde eingingen, und so die Zahl der Juden im Verhältnis immer kleiner wurde, da sah man langsam die Juden, die noch nicht in der christlichen Gemeinde waren, nicht mehr als Brüder im Glauben an den einen geoffenbarten Gott an, sondern als Fremde, ja, als Feinde.
Man hätte allen Grund gehabt, ihnen trotz aller Kämpfe und Nöte, die auftraten, in demütiger Liebe zugetan zu bleiben, weil wir von ihnen ja Gesetz und Propheten und den Herrn Jesus empfangen haben. Nicht umsonst mahnt der Apostel Paulus, daß wir, die an Christus Glaubenden, uns nicht wider sie zu rühmen hätten, sondern in der demütigen Haltung des Wissens bleiben sollten, daß die Wurzel des Baumes die Juden sind und uns tragen und nicht wir sie, weil wir nur bei ihnen eingepfropft sind (Römer 11). Doch dem Feind gelang es, die Gemeinde aus dieser demütigen brüderlichen Haltung zu bringen, da sie selbstherrlich alle Gnaden und Verheißungen, die Israel galten, als einen Raub für sich allein nahm und deshalb Israel in der Heilsgeschichte durchstrich.(1)
Christliche Theologie und Israels angestammtes Recht
In der frühchristlichen Kirche kamen erstmals Überlegenheitsgedanken auf, bis man schließlich Israels angestammtes Recht für sich selbst beanspruchte. Besonders deutlich wird das am sogenannten Barnabasbrief,2 um 130 in Syrien entstanden und von manchen Kirchenlehrern zum Neuen Testament gezählt. Er ist voll von heftigster antijüdischer Polemik und spricht den Juden jedes tiefere Verständnis für ihre heiligen Schriften ab - sie seien ihrer gar nicht wert. Das Alte Testament versteht der Barnabasbrief als bloßen Vorschatten auf Christus und die Kirche: Gottes Bund mit Seinem Volk gilt nur noch den Christen, die Juden haben ihn für immer verloren.
Diese und ähnliche Behauptungen, wie sie sich z.B. in den Briefen des Ignatius von Antiochien (70-107) finden, leisteten der Auffassung, die Kirche sei das neue Israel, immer mehr Vorschub. Kaiser Konstantin ging sogar so weit, zu erklären, das Land Israel gehöre ab jetzt nicht mehr dem jüdischen Volk, sondern der christlichen Kirche.(3) Hier ist bereits der Keim der "Enterbungstheorie" angelegt, die zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert erschreckende Ausmaße annahm und bis in unsere Tage hinein Schaden anrichtet.
Nach der Zerstörung des Tempels in Jerusalem (70) und dem Bar- Kochba-Aufstand (132-135) ging der jüdische Glaube nicht unter, sondern gewann wieder an Lebenskraft und Einfluß. Das Argument, die Kirche hätte den Platz Israels eingenommen, überzeugte darum nicht mehr. Im Gegenteil, christliche und jüdische Gemeinden rivalisierten miteinander in dem Bemühen, Heiden zu bekehren, und die junge Kirche empfand das Judentum zunehmend als Bedrohung.
Um dem entgegenzuwirken, versuchte die christliche Theologie einen nichtjüdischen Jesus zu schaffen. Die seltsamsten Beweise - der Glaube Abrahams und sogar die Adam gegebene Verheißung - wurden angeführt, um zu zeigen, daß die Kirche schon lange vor Israel da war, ja daß sie tatsächlich das "ewige Israel" (Tertullian) sei.(4) Wie gefährlich dieses Denken ist, zeigte sich Jahrhunderte später im Dritten Reich.
In der frühen Christenheit wurden die Juden schon bald des "Gottesmordes" beschuldigt. Obwohl in Matthäus 20,18-19 und Apostelgeschichte 4,26-28 klar bezeugt ist, daß auch die Heiden für Jesu Kreuzigung verantwortlich sind, setzte sich die Überzeugung fest, allein die Juden seien daran schuld und darum sie allein zu bestrafen. "Ihr habt den Gipfel eurer Verdorbenheit erreicht im Haß auf den Gerechten, den ihr getötet habt" (Justin der Märtyrer, ca. 100-165).(5)Christliche Theologen des 3. Jahrhunderts, z.B. Hippolyt und Origenes, behandelten diese Theorie ausführlich. Im 4. Jahrhundert war das christliche Denken bereits stark davon geprägt.
Während "gewöhnliche" Christen auch weiterhin Kontakt mit Juden pflegten oder sogar Synagogengottesdienste besuchten, hatten die Kirchenführer Angst, ihre Herde zu verlieren. So verstärkten sie ihre verbalen Angriffe, um Furcht und Abscheu vor dem Judentum zu erregen.
Augustinus (354-430) nahm eine zwiespältige Haltung ein. Obwohl er Paulus zustimmte, daß man die Juden lieben solle, teilte er die Meinung anderer Kirchenväter, der Verräter Judas sei das Abbild des jüdischen Volkes. In seinem "Traktat wider die Juden" schreibt er, sie dürften nur leben, um in ihrer Erniedrigung "Zeugen ihres Unrechts und unserer Wahrheit" zu sein.(6) Sie sollten nicht getötet werden, weil sie wie Kain ein Malzeichen tragen: "Laßt sie unter uns leben, aber laßt sie leiden und beständig erniedrigt sein."(7)
Die Theorie, daß die Juden mit ihrem leidvollen Dasein Zeugnis geben sollten von der Herrlichkeit Christi, wurde später vielfach zum Vorwand genommen, ihr Elend noch zu verschlimmern - ja, sie sogar zu ermorden.
Chrysostomos (übersetzt "Goldmund", 344-407), der die Christengemeinde in Antiochien vor dem gesellschaftlichen und religiösen Einfluß eines hellenistisch gefärbten Judentums schützen wollte, fiel als schlagfertiger Rhetoriker mit stärksten Worten über die Juden her.(8)
Die Theologie, die er aus der Überzeugung entwickelte, das Schicksal der Juden sei die Folge des "Gottesmordes", hatte verheerende Folgen. Wegen dieses Verbrechens, so stellt er fest, "gibt es für euch keine Besserung mehr, keine Vergebung und auch keine Entschuldigung ... Gott haßt euch!"(9)
"Dieses Glaubensbekenntnis des Judenhasses", schreibt der jüdische Historiker Heinrich Graetz, "hat später Könige und Pöbel, Staatsmänner und Mönche, Kreuzfahrer und Hirten gegen die Juden bewaffnet und für sie Marterwerkzeuge erfinden und Scheiterhaufen zusammentragen lassen."(10) Jeder, der Juden verfolgte, quälte oder tötete, sah sich als Vollstrecker des göttlichen Zorns.
Der Staat als Helfershelfer
Nachdem das Christentum im 4. Jahrhundert unter Konstantin Staatsreligion geworden war, bekam die Kirche Einfluß auf die Gesetzgebung, und die Synagoge mußte z. T. drückende Einschränkungen hinnehmen.
Unter Kaiser Justinian I. (483-565) wurden viele Gesetze abgeschafft, die bis dahin das religiöse Leben und die bürgerlichen Rechte der Juden geschützt hatten - wenn auch die Auswirkungen örtlich sehr verschieden sein konnten. Die Deklassierung der jüdischen Minderheit erreichte einen Tiefpunkt. Im 7. Jahrhundert ordnete der byzantinische Kaiser Heraklius aus politischen Gründen die Zwangstaufe der Juden an. Damit wollte er die Einheit in seinem Reich gewährleisten. Diese Praxis fand andernorts Nachahmer und hatte in den folgenden Jahrhunderten katastrophale Folgen.(11) |
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| Das Mittelalter |
Durch die enge Verbindung von Kirche und Staat im Mittelalter folgte der Saat des christlichen Antisemitismus eine entsetzliche Ernte. |
Die Kreuzzüge
Mit dem Beginn der Kreuzzüge im Jahr 1096 brachen wie nie zuvor Schrecken und Verfolgung über die Juden Europas herein. Kreuzzugsprediger riefen dazu auf, mit dem "Heiligen Krieg" schon im eigenen Land zu beginnen und die "Gottesfeinde", die Juden, niederzumachen. In Deutschland war besonders das Rheinland betroffen. Mordend, plündernd, zwangstaufend fielen Horden von Rittern, Mönchen und Bauern über die jüdische Minderheit her. Zahlreiche Kreuzfahrer hatten gelobt, vor Verlassen des Landes mindestens einen Juden mit ihrem Schwert zu erschlagen, um es durch Judenblut für die Schlacht mit den Sarazenen zu weihen. Der Judenmord wurde zur Gott wohlgefälligen Tat, die Ablaß aller Sündenstrafen gewähre.(12)
12 000 Juden wurden allein von Mai bis Juli 1096 niedergemetzelt, als das Kreuzfahrerheer durch Speyer, Worms, Mainz, Köln, Trier und andere Orte zog.(13) Insgesamt wurde etwa ein Viertel bis ein Drittel der jüdischen Bevölkerung Deutschlands und Nordfrankreichs während dieses ersten Kreuzzugs ermordet.(14)
Im Jahr 1099 hatten die Kreuzritter Jerusalem erobert und wüteten gegen Sarazenen und Juden in gleich grausamer Weise. Dabei rühmten sie sich als Vollstrecker des Zorns und der Rache Gottes. Alle Juden, die das Schwert verschont hatte, trieben sie kurz entschlossen in eine Synagoge, steckten diese an und verbrannten Männer, Frauen und Kinder bei lebendigem Leibe.(15) Als das Morden und Rauben endlich aufgehört hatte, wuschen sie sich Gesicht und Hände, streiften Leinenhemden über und gingen barfuß durch die Blutlachen zur Grabeskirche. Unter Tränen und Lobpreisungen dankten sie Gott für den Triumph, den sie zu Seiner Ehre erkämpft hatten.(16)
Zu ewiger Knechtschaft verdammt
Während der ersten beiden Kreuzzüge hatten die deutschen Juden die Krone um Hilfe angerufen. Im Gegenzug für den zugesagten Schutz wurden sie zu "Kammerknechten" des Kaisers gemacht - ein Privileg, für das sie hohe Summen zahlen mußten.
Mit der Zeit erwiesen sich die Kammerknechte als ergiebige Quelle für Staatseinkünfte. Als Besitztum des Herrschers konnten sie gekauft, verliehen und verkauft werden, um Schulden zu tilgen. Davon machte man regen Gebrauch, und bald bürgerte sich diese Sitte auch in anderen Ländern ein(17). Kirchenführer rechtfertigten den Status der Kammerknechte theologisch mit der Lehre der frühen Kirche, die Juden seien zu ewiger Knechtschaft verdammt, weil sie Christus gekreuzigt haben.(18)
Noch weitere Faktoren trugen zur Erniedrigung der Juden bei: Von den meisten Berufen waren sie ausgeschlossen, und die Handwerkergilden nahmen nur Christen auf. So waren sie als Außenseiter der Gesellschaft regelrecht dazu gezwungen, den für Christen anrüchigen Beruf des Geldverleihers auszuüben.
Als Kreditgeber für weltliche und kirchliche Kreise waren sie jedoch unentbehrlich. Sogar Kathedralen und Kirchen wurden mit jüdischem Geld erbaut. Das hatte zur Folge, daß sich der geistig-menschliche Judenhaß immer stärker mit Wirtschaftsinteressen verknüpfte.(19) Waren die Juden als Geldquelle erschöpft, wiesen die Herrscher sie kurzerhand aus. Oft genug veranlaßten sie aus finanzieller Not schon kurz darauf ihre Rückkehr.(20)
Als Geldverleiher zogen die Juden aber auch den Haß des "kleinen Mannes" auf sich. Je größer z.B. nach einer Mißernte die Schulden der Bauern wurden, desto gefährlicher lebten die Juden.(21) Hinter vorgeblich religiösem Eifer des Volkes verbargen sich daher oft nackte wirtschaftliche Motive. Dem Massaker folgte die Vernichtung der in den Häusern der "Wucherer" aufbewahrten Schuldscheine.(22)
1135 läßt der französische Scholastiker Pierre Abaelard in seinem "Dialog zwischen einem Philosophen, einem Juden und einem Christen" den Juden sagen:
"Keine Nation hat je derartiges für Gott erlitten. Unter alle Nationen zerstreut, ohne König oder weltlichen Fürsten, werden die Juden mit schweren Steuern bedrückt, als ob sie jeden Tag von neuem ihr Leben loskaufen sollen. Die Juden zu mißhandeln, hält man für ein gottgefälliges Werk. Denn eine solche Gefangenschaft, wie sie die Juden erleiden, können sich die Christen nur aus dem höchsten Haß Gottes erklären.
Das Leben der Juden ist ihren grimmigsten Feinden anvertraut. Selbst im Schlaf werden sie von Schreckensträumen nicht verlassen. Außer im Himmel haben sie keinen sicheren Zufluchtsort. Wenn sie zum nächstgelegenen Ort reisen wollen, müssen sie mit hohen Geldsummen den Schutz der christlichen Fürsten erkaufen, die in Wahrheit ihren Tod wünschen, um ihren Nachlaß an sich zu reißen. Äcker und Weingärten können die Juden nicht haben, weil niemand da ist, der ihren Besitz garantiert. Also bleibt ihnen als Erwerb das Zinsgeschäft, und dieses macht sie wieder bei den Christen verhaßt."(23)
In Schmach und Schande
Obwohl Bernhard von Clairvaux (1090-1153) gegen den Massenmord an Juden war, erklärte er, daß sie nicht Gott als Vater hätten, sondern den Teufel. Er folgte damit den Theologen seiner Zeit, die ein aus dem Zusammenhang gerissenes Schriftwort (Joh. 8,44) auf das jüdische Volk aller Zeiten übertrugen. Sie stehen damit nicht allein. Schon bei Cyprian im 3. Jahrhundert findet sich ähnliches.(24) Aber auch Luther sprach vom Juden als dem "leibhaftigen Teufel".(25) Und Jahrhunderte später führte Julius Streicher diese Aussage weiter, indem er forderte, das Volk auszulöschen, dessen Vater der Teufel ist.(26)
Sündenbock
Neben zahlreichen unmenschlichen Verordnungen trafen die Juden böswillige Verunglimpfungen und Beschuldigungen. Für alle Nöte und Übel dieser Welt wurden sie verantwortlich gemacht. Weit verbreitet war der Vorwurf der Brunnenvergiftung, der Hostienschändung und des Ritualmordes.(27) Immer häufiger legte man ihnen ohne jeden Beweis die absurdesten Taten zur Last. Sogar an einem Erdbeben mit darauf folgendem Sturm am Karfreitag 1021 sollen sie schuld gewesen sein, so daß Papst Benedict VIII. daraufhin Juden zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilte.(28)
Auch als 1348 in Europa die Pest wütete, schob man die Schuld wie immer den Juden zu. Sie hätten die Brunnen vergiftet, um die Christen auszurotten. Von Frankreich sprang das Gerücht über in die Schweiz, nach Belgien, Spanien, Polen und Österreich. Nirgends jedoch wurden die Juden so gründlich und grausam vertilgt wie im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Vergebens erließ Kaiser Karl IV. Verbote, seinen Kammerknechten ja kein Haar zu krümmen.(29)
In Worms zündete am 1. März die jüdische Gemeinde selbst ihre Häuser an, am 24. Juli die in Frankfurt am Main. In Mainz leisteten die Juden bewaffneten Widerstand. Erst als keinerlei Hoffnung auf Rettung mehr bestand, brachten sich die umzingelten jüdischen Familien selbst als "Brandopfer" dar. Aus Feuer und Rauch erklangen ihre Klagehymnen. Sechstausend starben an demselben Tage, am 24. August, an dem auch die uralte Kölner Gemeinde unterging.
Durch ganz Deutschland - in mehr als 350 jüdischen Gemeinden - wütete der Mord in brutalster Form. 60 große und 150 kleine Gemeinden waren völlig ausgerottet. Die Überlebenden flüchteten nach dem Osten. Das deutsche Judentum des Mittelalters war vernichtet. Doch trotz grauenvollsten Gemetzels hatte es nirgendwo einen Massenabfall vom Judentum gegeben.(30)
Ritualmord
Noch aus heidnischer Zeit stammte die ungeheuerliche und verhängnisvolle Ritualmordlüge, die Juden in einem unheimlichen Licht erscheinen ließ. Man behauptete, sie würden christliche Kinder umbringen - besonders vor Ostern -, um ihr Blut für rituelle Zwecke zu gebrauchen. 1171 wurde daraufhin in Blois, Frankreich, die gesamte jüdische Gemeinde in einem Holzturm verbrannt.(31)
Die sogenannte Blutbeschuldigung verbreitete sich, von England und Frankreich ausgehend, bald wie eine Seuche über ganz Europa. Selbst Verbote von höchster Stelle vermochten keinen Einhalt zu gebieten. Unaufgeklärte Morde an Christen führten zu eigenmächtigen, von Marterung, Totschlag und Plünderung begleiteten Überfällen auf die nächstgelegenen jüdischen Gemeinden. Nicht selten wurden Leichen von Christen sogar heimlich in jüdische Häuser gebracht, um den Verdacht auf deren Bewohner zu lenken.
Tausende von Juden in Erfurt, Kolmar, Krems, Magdeburg und Weißenburg, in Paris, Bern, Würzburg und Posen, in Prag, Trient, Boppard, Budweis und vielen anderen Orten starben qualvoll als Opfer von Wahn und Aberglaube.(32) In ganz Europa verbreitete sich ein Kult um solche angeblich von Juden ermordeten Christenkinder und überdauerte bis in unser Jahrhundert, z.B. "Simon von Trient" oder "das Anderl von Rinn".(33)
Zwischen 1880 und 1945 fand die Ritualmordlüge in Osteuropa starke Verbreitung unter katholischen und orthodoxen Christen. Die Nazizeitung Der Stürmer brachte regelmäßig Karikaturen von Rabbinern, die das Blut deutscher Kinder saugten.(34)
Hostienschändung
Als seien noch nicht genug Greuelgeschichten über die Juden im Umlauf, tauchte gegen Ende des 13. Jahrhunderts eine neue Beschuldigung auf: Man erzählte sich, die Juden würden geweihte Hostien stehlen oder kaufen und sie aus Haß gegen Christus mit Messern durchbohren oder in einem Mörser zerstampfen, um dadurch den Akt der Hinrichtung Christi ständig zu wiederholen. Aus vielen so geschändeten Hostien fließe dann Blut von wunderbarer Heilkraft.(35)
Gerüchte über solche Hostienfrevel führten 1298 in Süddeutschland zu entsetzlichen Judenmetzeleien. In Röttingen erklärte ein Edelmann namens Rindfleisch, er sei vom Himmel berufen, Hostienschändungen zu rächen. Mit einer Bande Gleichgesinnter brachte er alle Juden in der Stadt um und zog plündernd und mordend von Ort zu Ort - durch Franken, Bayern und Österreich. Unzählige Juden nahmen sich das Leben, um den Banden Rindfleischs zu entgehen. Von Frühjahr bis Herbst 1298 fielen dem grausamen Massaker über 140 jüdische Gemeinden zum Opfer, schätzungsweise 100 000 Juden wurden ermordet.(36)
In Prag warfen 1389 jüdische Kinder beim Spielen Sand auf einen Priester, der das Allerheiligste trug. Als Antwort darauf wurden 3000 Juden hingerichtet.(37)
Das Schandmal
1215 beschloß das von Papst Innozenz III. einberufene vierte Laterankonzil unter Hinweis auf 4. Mose 15,37-41: Juden müssen sich durch eine besondere Art der Kleidung von der übrigen Bevölkerung unterscheiden - wie auch die Sarazenen und später Häretiker, Prostituierte und Leprakranke. Außerdem haben sie ein Unterscheidungsmerkmal an ihrer Kleidung anzubringen - Jahrhunderte vor dem gelben Stern der Nazis. Das unheilvolle Judenzeichen, dessen Farbe und Gestaltung den einzelnen Ländern überlassen blieb, war geboren. Durch dieses Schandmal waren die Juden innerhalb der christlichen Gesellschaft isoliert und Mißhandlungen jeder Art ausgeliefert.(38)
Zwangstaufen
Taufe oder Tod - Taufe oder Exil! Vor diese Wahl wurden die Juden im mittelalterlichen Spanien weithin gestellt. 1391 wiegelte Ferdinand Martinez, Stellvertreter des Bischofs von Sevilla, das Volk zur Judenhetze auf. 50 000 Juden mußten ihr Leben lassen, Hunderttausende wurden getauft, darunter viele Rabbiner.(39) Die Zwangstaufe brachte jedoch ein großes Problem mit sich. Die einen gingen um ihres persönlichen Vorteils willen auf den Glaubenswechsel ein, unzählige der Zwangskonvertierten jedoch hingen heimlich weiter ihrem alten Glauben an. Beide Gruppen wurden von den Spaniern Marranen - Schweine - genannt.(40)
Rassenwahn
In Spanien nahmen sowohl der Antisemitismus als auch der Anti-Marranismus erschreckend zu. Plötzlich griff die Idee um sich, die jüdische Erbmasse oder anders ausgedrückt, das "schlechte Blut" - mala sangre - sei das eigentliche Problem. Und darauf hatte auch die Taufe keinen Einfluß. Hier liegt die Wurzel des spanischen Rassismus.
Der Weg zum Arierparagraphen der Nazis und den Nürnberger "Rassenschandegesetzen" war nicht mehr weit, durch die die Juden vom öffentlichen Leben und der deutschen Staatsbürgerschaft ausgeschlossen wurden.
Die spanische Inquisition
1480 berief das spanische Königspaar Ferdinand und Isabella ein Tribunal ein, um die Kirche von Marranen, die heimlich weiter ihren jüdischen Glauben praktizierten, zu reinigen. Massenverhaftungen folgten. Jedoch war die spanische Inquisition keineswegs rein religiös motiviert, sondern hatte viel mit der hohen Geldverschuldung des Königshauses an die Juden zu tun. 1481 wurden die ersten Opfer auf dem Scheiterhaufen verbrannt.(41) Insgesamt kamen während der sich bis ins 19. Jahrhundert hinziehenden Inquisition an die 30 000 Marranen in den Flammen um. Die gut bezeugten Grausamkeiten dieser Epoche haben sich bis nach Lateinamerika ausgebreitet.
Heimatlos
Im Lauf der Zeit wurden die Juden aus fast allen Ländern vertrieben, in denen sie Heimat gefunden hatten. - 1290 mußten die Juden England verlassen. 16 000 flüchteten nach Frankreich und Belgien. Manche erlagen unterwegs den Strapazen der Flucht.(42) - Aus Deutschland und Frankreich wurden die Juden wiederholt vertrieben. 1492 verjagten Ferdinand und Isabella alle Juden aus Spanien, um - wie sie sagten - ein wahrhaft christliches Königreich aufzurichten. Viele der 300 000 Flüchtlinge wandten sich nach Portugal. Sie durften sich dort gegen Bezahlung einige Monate lang aufhalten. Danach wurden sie von Johann II. (1481-1495) zu Sklaven gemacht. Sein Nachfolger befreite sie, ließ sie jedoch später brutal zwangstaufen.(43)
Karneval
Erniedrigende Quälereien der Juden waren oft Höhepunkt des Karnevaltreibens. Im mittelalterlichen Rom wurde dazu jedes Jahr der Hinfälligste der jüdischen Gemeinde nackt in ein mit Nägeln gespicktes Faß geschoben und den Monte Testaccio hinunter zu Tode gerollt. Die Juden waren gezwungen, dem Martyrium ihres Glaubensgenossen zuzuschauen.(44) Später, im Zug der Gegenreformation, wurden Juden in Rom, die eigens für diese Gelegenheit gemästet worden waren, von der Menge mit Schlamm beworfen - "wie es jene Treulosen verdienen" - und mußten dann in eisiger Kälte und im Regen nackt durch die Straßen des Karnevals rennen. Es wurden auch Zwangspredigten abgehalten, zu denen man die Juden prügelte.(45)
Die Reformation
Martin Luther (1483-1546) war den Juden gegenüber zuerst wohlwollend eingestellt. Er hoffte, sie durch seine neue Lehre für den Glauben gewinnen zu können. Ja, er pries sie sogar als "Vettern und Brüder des Herrn". Als er erkennen mußte, daß sich die Juden nicht bekehrten, schwenkte er völlig um.
"Zweifelt nicht, in Christus Geliebte, daß ihr nach dem Teufel keinen bittereren, gewalttätigeren Feind habt als den richtigen Juden ... die Juden sind rechte Lügner und Bluthunde ... sie sind giftige Schlangen, Meuchelmörder und Teufelskinder." (46)
In seinem Traktat Von den Juden und ihren Lügen (1543) schrieb Luther:
"Was sollen wir Christen denn nun mit diesem verworfenen, verdammten Volk der Juden tun? Ich will euch meinen treuen Rat geben:
1. Verbrennt ihre Synagogen und Schulen, und was nicht brennen will, begrabt mit Erde, so daß kein Stein mit Trümmer übrigbleibt.
2. Brecht ihre Häuser auf und zerstört sie.
3. Nehmt alle ihre Gebetsbücher und Talmude fort, in denen nichts als Gottlosigkeit, Lügen, Flüche und Schwüre sind.
4. Verbietet ihren Rabbis, unter Androhung der Todesstrafe und von Verstümmelung, zu unterrichten.
5. Verbietet ihnen das Reisen. Denn sie sind weder Herren noch Amtsleute, noch Handelsleute - sie sollen zu Hause bleiben.
6. Verbietet allen Wucher, denn wir sind nicht ihre Untertanen, sondern sie die unsrigen.
7. In die Hände aller jungen Juden und Jüdinnen gehören Dreschflegel, Äxte, Spaten, Spinnrocken und Spinnräder. Laßt sie damit ihren Lebensunterhalt im Schweiße ihres Angesichts verdienen, wie es alle Kinder Abrahams tun sollen.
Denn Gottes Zorn ist groß über sie, daß sie durch sanfte Barmherzigkeit nur ärger und ärger, durch Schärfe aber besser werden. Darum immer weg mit ihnen!"(47)
In einer Predigt kurz vor seinem Tod rief er dazu auf, alle Juden aus Deutschland zu vertreiben.(48) Jahrhunderte später, im Dritten Reich, wurde Luthers antisemitische Propaganda wörtlich zitiert.
Gettos
Die Renaissance-Päpste in Italien waren verhältnismäßig judenfreundlich. Die Gegenreformation jedoch - vor allem unter Papst Paul IV (1555-1559) - brachte eine jähe Wende.(49) Gettos wurden errichtet, zuerst in Italien, dann in der österreichischen Monarchie und in anderen Ländern. Die Enge und Entwürdigung des Gettos wurden zum Merkmal jüdischen Lebens in ganz Europa.(50)
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| Die Neuzeit |
Der christliche Antisemitismus war inzwischen so tief in der Gesellschaft verwurzelt, daß auch der gewöhnliche Bürger davon geprägt wurde, ganz gleich, aus welcher christlichen Tradition oder politischen Richtung er kam.
Der Vorwurf "Gottesmörder" wurde weiterhin gegen die Juden geschleudert. Ein kleines Kind, das 1921 mit seiner Familie aus Kiew nach Polen geflohen war, erinnerte sich später an das erste polnische Schlagwort, das man ihm beigebracht hatte: "Die Juden haben Christus getötet."
Zwischen den Fronten
Einst war Polen Zufluchtsort der deutschen Juden, die vor den Kreuzzügen, der Pest und den immer wieder aufflammenden Massakern dorthin flüchteten.(51) Ihr relativ ruhiges Dasein hatte ein Ende, als die unterdrückten orthodoxen Ukrainer sich an Ostern 1648 gegen die polnischen katholischen Grundherren erhoben. Die Juden, Pächter und Mittelsmänner der Polen, waren am meisten betroffen und dem grausamen Zorn der ukrainischen Kosaken gnadenlos ausgeliefert.
Ein Augenzeuge berichtete:
Den einen zogen die Kosaken die Haut ab, um das Fleisch den Hunden vorzuwerfen, den anderen brachten sie schwere Wunden bei und warfen sie dann auf die Straße. Andere wieder wurden bei lebendigem Leibe begraben. Sie erdolchten Säuglinge in den Armen der Mütter. Mitunter warf man Haufen jüdischer Kinder ins Wasser, um die Furten zu ebnen.(52)
Greueltaten noch furchtbarerer Art können hier gar nicht genannt werden.
Während der schwedischen Invasion 1655-1658 gerieten die polnischen Juden gewissermaßen zwischen die Fronten. Russen, Kosaken und Schweden fielen nacheinander über sie her, und nachdem alle abgezogen waren, kamen auch noch die Polen selber, weil die Juden angeblich zu den Angreifern gehalten hätten.(53)
Von 1648-1658 wurden in Polen zwischen 100 000 und 500 000 Juden ermordet - die bis dahin wohl blutigste Epoche jüdischer Geschichte seit biblischer Zeit. 700 jüdische Gemeinden fielen der Vernichtung anheim. Scharenweise suchten die Flüchtlinge Zuflucht in anderen europäischen Ländern.(54)
Auch während des Bürgerkriegs in Rußland zwischen Weißer und Roter Armee wurden die Juden von beiden Seiten angegriffen. Die Weiße Armee attackierte sie als Revolutionäre, die Rote Armee als bürgerliche Unterdrücker.
Emanzipation
Die Gleichberechtigung, die den Juden im Zuge der Emanzipation im späten 18. und beginnenden 19. Jahrhundert zuteil wurde, stieß nicht überall auf Zustimmung. Als Gegenreaktion entstanden in Deutschland antisemitische Flugschriften.
1819 ging der Schreiber eines Flugblattes so weit, daß er Massaker, Kastration und Freigabe von Jüdinnen zur Prostitution vorschlug. Diese Überspanntheiten ließen den jüdischen Historiker Heinrich Graetz, der kein Freund des Katholizismus war, feststellen: "Die protestantische Theologie und die deutsche Philosophie rieten zu Maßregeln gegen die Juden, welche die kanonischen Dekrete der Päpste Innocenz III. und Paul IV. weit hinter sich ließen."(55)
Die Dreyfus-Affäre
1894 fand vor dem Pariser Kriegsgericht der Spionageprozeß gegen den jüdischen Offizier Alfred Dreyfus statt und löste eine Welle antisemitischer Krawalle aus - in einem der zivilisiertesten Länder der Welt, dem ersten in Europa, das den Juden die Gleichberechtigung gewährt hatte.
Dreyfus, fälschlich der Spionage für Deutschland angeklagt, wurde schuldig gesprochen, öffentlich degradiert und zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Welt geriet in Aufruhr, die französische Regierung wurde durch diese Affäre schwer erschüttert - aber erst 1906 wurde Dreyfus rehabilitiert.(56) Viel Bitterkeit gegen die Juden blieb zurück. Eine Folge davon war das Vichy-Regime, das mit den Nazis zusammenarbeitete.
Unterdrückung im Osten
Mit der Teilung Polens im späten 18. Jahrhundert wurde Rußland Herrscher über das weltweit größte jüdische Gemeinwesen. Katharina II. beschränkte die Juden ihres Reiches auf die neu gewonnenen Provinzen, die man jetzt Siedlungsbezirk nannte. Gleichzeitig lud sie Fremde ein - Juden ausgenommen -, in Zentralrußland zu siedeln.
Unter Nikolaus I. (1825-55) verschlimmerte sich die Lage der Juden. Jüdische Jugendliche zwischen dem 12. und 25. Lebensjahr wurden für den Militärdienst ausgehoben und in weit entfernte Gegenden transportiert. Jedes nur erdenkliche Mittel wurde eingesetzt - einschließlich Folter und Beschimpfungen -, um sie dazu zu bewegen, ihrem Glauben abzusagen und das Christentum anzunehmen.(57)
Zu dieser Zeit war Rumänien nach Rußland das Land, in dem die Juden am meisten unterdrückt wurden. Ungefähr 200 000 Juden litten dort unter Zuständen wie in den schlimmsten Zeiten des Mittelalters.(58)
Pogrome
Unter der Herrschaft von Zar Alexander III. brach an Ostern 1881 das erste größere Pogrom aus und zog über 100 jüdische Gemeinden in Mitleidenschaft. Der antisemitische Berater des Zaren hatte vor, die Judenfrage auf seine Weise zu lösen: Ein Drittel sollte emigrieren - ein Drittel sollte sterben - ein Drittel sollte verschwinden (d.h. bekehrt werden).(59) Die Pogrome und die dadurch ausgelösten Massenauswanderungen setzten sich auch unter Zar Nikolaus II. (1894-1917) fort, der die Juden als Christusmörder ansah.
Trotz der Greuel des Holocaust und der stark dezimierten jüdischen Bevölkerung fanden in Polen auch nach dem Zweiten Weltkrieg noch Pogrome statt.(60)
Die Protokolle der Weisen zu Zion
Diese antisemitische Propaganda erschien erstmals 1905 im zaristischen Rußland und bezichtigte die Juden der Weltverschwörung. Nach dem Ersten Weltkrieg in viele Sprachen übersetzt, waren diese Protokolle von nachhaltigem Einfluß auf das 20. Jahrhundert. Daß man sie 1921 als Fälschung entlarvt hatte, tat dem keinen Abbruch. Auf Betreiben von Henry Ford, dem einflußreichen Industriellen, fanden in Amerika drei Auflagen weite Verbreitung.(61)
1922 ermordeten zwei rechtsradikale Fanatiker den jüdischen Außenminister der Weimarer Republik, Walther Rathenau, weil sie dachten, er sei einer der "Weisen Zions".(62) Den größten Einfluß übten die "Protokolle der Weisen zu Zion" in Nazi-Deutschland aus.
Nationalsozialismus
Obwohl der Nationalsozialismus antichristlich war, machte erst der christliche Antisemitismus den Holocaust möglich. Hitler und die Nazis proklamierten einen "arischen", nichtjüdischen Christus, um die Christen auf ihre Seite zu ziehen. In der katholischen antijüdischen Gesetzgebung des Mittelalters fanden sie ein Modell für ihr Vorhaben, und sie lasen und verbreiteten Martin Luthers vergiftende antijüdischen Schriften. Es ist aufschlußreich, daß der Holocaust in dem einzigen größeren Land Europas entfesselt wurde, das etwa den gleichen Anteil Katholiken und Protestanten hat. Beide kirchlichen Traditionen waren geschwängert mit Judenhaß.(63)
Die Kirchen und die meisten ihrer Amtsträger kollaborierten offen mit den Nazis.(64) Kirchenleitungen erließen gemeinsame Erklärungen, in denen sie die menschenverachtenden Gesetze der Nazis gegen die Juden ausdrücklich billigten und sich dabei zum Teil auch auf Luther beriefen.(65) Als deutsche Kirchenmänner 1936 persönlich bei Hitler gegen die Mißhandlung der Juden protestierten, wurden sie kurz abgefertigt: "Was beschwert ihr euch? Ich befolge nur, was ihr jahrhundertelang gelehrt habt!"(66)
So war es sicher kein Zufall, daß die Synagogen in Deutschland ausgerechnet in der Nacht zu Luthers 455. Geburtstag brannten (9./10. November 1938). In jener Nacht, die als "Reichskristallnacht" in die Geschichte einging, verwirklichten die Nazis in einer sorgfältig geplanten und großangelegten Aktion, was Luther einst empfohlen hatte.(67) Wenn auch immer wieder einzelne Christen den Juden halfen, die beiden Großkirchen taten es im allgemeinen nicht.
Der Zweite Weltkrieg
Selbst als der Nationalsozialismus auf der Höhe seiner Macht war und unaussprechliche Greueltaten offenbar wurden, stand nur eine beschämend kleine Minderheit den Juden zur Seite. Sie waren allein gelassen in der Stunde ihrer größten Not. Auch die meisten Staaten unternahmen offiziell nichts - man wollte die Juden nicht. Jahrhundertelanger Antisemitismus forderte seinen Tribut.
Beim Ulmer Einsatzkommandoprozeß (1958) wurde ein ehemaliger litauischer Pfarrer gefragt, warum er zu den entsetzlichen Erschießungen, die er miterlebte, geschwiegen habe. Er sagte, er habe gemeint, nun erfülle sich an den Juden das Wort: "Sein Blut komme über uns und unsere Kinder."(68)
So erschreckend es ist, daß diese Bibelstelle gebraucht werden konnte, solche Gefühlskälte zu rechtfertigen - ähnliche Gedanken haben auch Christen anderer Nationalität zum Ausdruck gebracht.
Ein päpstlicher Nuntius, der gebeten wurde, gegen die Deportationen aus der Slowakei nach Auschwitz einzuschreiten, weil so viel unschuldiges Blut jüdischer Kinder vergossen werde, antwortete ungerührt: "Es gibt kein unschuldiges Blut jüdischer Kinder in der Welt. Alles jüdische Blut ist schuldbeladen. Ihr müßt sterben. Das ist die Strafe, die ihr durch diese Sünde [die Kreuzigung Jesu] auf euch geladen habt."(69)
Als man den wohl schlimmsten Judenhetzer des Dritten Reiches, Julius Streicher, beim Prozeß vor dem Internationalen Gerichtshof in Nürnberg vernahm, sagte er: "Dr. Martin Luther säße heute an meiner Stelle auf der Anklagebank, wenn dies Buch von der Anklagevertretung in Betracht gezogen würde. In dem Buch Die Juden und ihre Lügen schreibt Dr. Martin Luther, die Juden seien ein Schlangengezüchte, man solle ihre Synagogen niederbrennen, man solle sie vernichten ... Genau das haben wir getan!"(70)
Die Schweiz schloß ihre Grenzen. Kanada und Amerika hatten so strenge Einwanderungsbestimmungen, daß vielen Juden der Weg dorthin verschlossen war. Die britische Regierung nahm die 1917 in der Balfour-Erklärung gegebene Zusage zurück, den Juden im damaligen Mandatsgebiet Palästina eine nationale Heimstätte zu schaffen. Tausenden von fliehenden Juden, die während des Dritten Reichs oder kurz danach im Land ihrer Väter Zuflucht suchten, blieben die Türen verschlossen.
In diesem Zusammenhang muß auch die Tragödie der "Struma" erwähnt werden. Weil die Briten das vollbesetzte Schiff nicht in Palästina landen ließen, mußte es abdrehen und geriet im Winter 1942 im Schwarzen Meer unter Torpedobeschuß. Nur einer der 769 Flüchtlinge an Bord überlebte.
Gleichgültig und passiv
Die Gleichgültigkeit und Passivität fast aller Nationen am Vorabend des Zweiten Weltkriegs hat entscheidend dazu beigetragen, daß Hitler die von ihm geplante Massenvernichtung der Juden ungehindert durchführen konnte.
Im Juli 1938 hatte Präsident Roosevelt eine Flüchtlingskonferenz nach Evian-les-Bains in Frankreich einberufen, um über das Schicksal der europäischen Juden zu beraten. Das Ergebnis war enttäuschend: Von den dreißig dort vertretenen Nationen waren im Grunde nur Dänemark und die Niederlande bereit, einige tausend Juden aufzunehmen. Alle anderen stellten so viele Bedingungen, daß kaum einer der Flüchtlinge sie erfüllen konnte. Nazispione ließen Hitler wissen: "Machen Sie mit den Juden, was Sie wollen; niemand will sie haben."(71)
Vier Monate später begann die entsetzliche Verfolgung, die 6 Millionen Juden das Leben kostete.
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| Ruf zur Umkehr |
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Nach dem Holocaust begann in unserem Volk ein langsamer Prozeß des Umdenkens. Ein wichtiger Schritt auf diesem Weg war der Synodalbeschluß der Evangelischen Kirche im Rheinland 1980, in dem es heißt:
"Wir bekennen betroffen die Mitverantwortung und Schuld der Christenheit in Deutschland am Holocaust."(72)
Aus dem Votum der Evangelischen Kirche der Union "Kirche als 'Gemeinde von Brüdern' (Barmen III)" 1980:
"Wir sind zum demütigen Eingeständnis unserer eigenen Untreue und unserer eigenen Schuld gerufen. Denn im Blick auf das Verhältnis von Christen und Juden ist die Geschichte der Kirche eine fast durchgängige Verleugnung der nicht gekündigten Erwählung Israels ... Auf die Judenfeindschaft in der Geschichte unserer Kirchen können wir nicht anders als mit Scham und Reue und der Bereitschaft zur Buße antworten."(73)
Die zweite Studie der EKD über das Verhältnis zum Judentum (1991), bedauert "eine ununterbrochene Tradition von Polemik, Kritik und Herabsetzung von Judentum und jüdischen Menschen" in der Geschichte der Kirche.
"Schuld so konkret wie möglich aufzuweisen und zu benennen, ist aber die Voraussetzung dafür, daß Schuldbekenntnisse nicht bloße Rituale bleiben, sondern daß aus ihnen die Kraft zu Umkehr und Erneuerung hervorgeht."(74)
In der katholischen Kirche setzte das Zweite Vatikanische Konzil 1965 mit der Erklärung "Nostra aetate" einen Markstein. Darin beklagt die Kirche "alle Haßausbrüche, Verfolgungen und Manifestationen des Antisemitismus".(75) Dies griff Papst Johannes Paul II. auf: "Antisemitismus ist ohne jede Berechtigung und in jedem Fall zu verurteilen."(76)
Doch es geht nicht nur um offizielle Stellungnahmen der Kirche. Der Ruf zur Umkehr betrifft jeden von uns. Manche sehen einen Zusammenhang zwischen mangelnder persönlicher Buße im Blick auf unsere Schuld an Gottes Volk und einer inneren Stagnation in den Gemeinden.
"Solange die Christen nicht ihre Mitschuld am jüdischen Leid vor Gott und den Juden bekennen, wird es auch keine wirkliche geistliche Erweckung ... geben."(77)
Der katholische Priester und Historiker Edward H. Flannery stellt im Blick auf den christlichen Antisemitismus fest:
"Es ist eine Tragödie, an der Jesus teilhat. Er ist es, der aufs neue in Seinem Volk gekreuzigt wurde - durch die Hand vieler, die auf Seinen Namen getauft waren. Die Sünde des Antisemitismus schließt viele Sünden mit ein, aber letztlich geht es um eine Verleugnung des christlichen Glaubens, um ein Versagen der christlichen Hoffnung, um eine Erkrankung der christlichen Liebe.
War nicht das der eigentliche Abfall der Christenheit: Das am meisten verfolgte Volk in christlicher Zeit waren nicht die Christen, denen ihr Meister Verfolgung vorausgesagt hatte (Joh.16,2-4) - nein, es war Sein Volk, das Volk, aus dem Er kam. Und war nicht das der größte Skandal: Die Juden, die ihre von Gott auferlegte Last in der Geschichte zu tragen hatten, fanden in den christlichen Kirchen keinen Verbündeten, keinen Verteidiger. Vielmehr fanden sie in den Kirchen einen ihrer fanatischsten Unterdrücker und Verleumder. Es ist eine Geschichte, die nach Buße ruft."(78)
Im gleichen Geist schreibt Mutter Basilea:
"Heute heißt es, sich auf die Seite Jesu stellen und Sein Volk mit Seinen Augen ansehen, mit dem Blick Seiner Liebe und Barmherzigkeit. Dann würde es uns zu Herzen gehen, wie hier ein ganzes Volk, das Volk Gottes genannt ist, elend, verachtet, gemieden und ausgestoßen, beladen mit Krankheiten und Schmerzen, durch die Zeiten zieht, wie der Gottesknecht in Jesaja 53 geschildert ist, und wir würden an ihn erinnert."(79)
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| Quellenhinweise |
1. M. Basilea Schlink, Israel, Mein Volk, Darmstadt-Eberstadt 19937, S. 26f.
2. Karl Thieme (Hg), Kirche und Synagoge, Der Barnabasbrief und der Dialog Justins des Märtyrers, Verlag Otto Walter AG, Olten 1945
3. Nach Olga Marshall, Lydia Research Adviser, Swanwick, England Mai 1977, S. 7
4. Siehe Edward H. Flannery, The Anguish of the Jews, Twenty-Three Centuries of Antisemitism, Paulist Press, New York/Mahwah 1985, S. 38f.
5. Hans Kühner, Der Antisemitismus der Kirche, Genese, Geschichte und Gefahr, Verlag Die Waage, Zürich 1976, S. 27
6. Werner Keller, Und wurden zerstreut unter alle Völker, Die nachbiblische Geschichte des jüdischen Volkes, Droemer Knaur, München/Zürich 1966, S. 129
7. Nach Olga Marshall, a.a.O., S. 7
8. Clemens Thoma, Das besondere Buch, Freiburger Rundbrief Neue Folge 2/1996, S. 97f.
9. Fritz May, Israel zwischen Blut und Tränen, Der Leidensweg des jüdischen Volkes, Verlag Schulte + Gerth, Aslar 1987, S. 32f.
10. Werner Keller, S. 129
11. Werner Keller, a.a.O., S. 129 / Edward H. Flannery, a.a.O., S.68ff.
12. Michael Krupp, Vergesse ich dein, Jerusalem, Sternberg-Verlag, Metzingen 1962, S. 23
13. Werner Keller, a.a.O., S. 237ff.
14. Edward H. Flannery, a.a.O., S. 93
15. Michael Krupp, a.a.O., S. 25
16. Fritz May, a.a.O., S. 49
17. Werner Keller, a.a.O., S. 254
18. Michael L. Brown, Our Hands are Stained with Blood, The Tragic Story of the "Church" and the Jewish People, Destiny Image Publishers, Shippensburg, USA 1996, S. 13
19. Werner Keller, a.a.O., S. 253 / Hans Kühner, a.a.O., S.120
20. Werner Keller, a.a.O., S. 341
21. Gerhard Czermak, Christen gegen Juden, Geschichte einer Verfolgung, Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 1991, S. 81
22. Werner Keller, a.a.O., S. 254
23. Werner Keller, a.a.O., S. 245
24. Gerhard Czermak, a.a.O., S. 27
25. Fritz May, a.a.O., S. 56
26. Michael L. Brown, a.a.O., S. 12
27. Fritz May, a.a.O., S. 52
28. Hans Kühner, a.a.O., S. 108
29. Werner Keller, a.a.O., S. 277
30. Werner Keller, a.a.O., S. 278
31. Hans Kühner, a.a.O., S. 145
32. Werner Keller, a.a.O., S. 259
33. Gerhard Czermak, a.a.O., S. 60f.
34. nach Michael L. Brown, a.a.O., S. 62f.
35. Werner Keller, a.a.O., S. 268
36. ebd., S. 268f. / Edward H. Flannery, a.a.O., S. 107
37. Edward H. Flannery, a.a.O., S. 112
38. Edward H. Flannery, a.a.O., S. 103f.
39. ebd., S. 132
40. ebd., S. 135f.
41. Edward H. Flannery, a.a.O., S. 137
42. ebd., S. 120
43. ebd., S. 139f
44. Hans Kühner, a.a.O., S. 107
45. Hans Kühner, a.a.O., S. 166
46. Martin Luther, Ausgewählte Werke, Ergänzungsreihe, München 1938, zitiert bei Fritz May, a.a.O., S. 56
47. Martin Luther, a.a.O., S. 60f.
48. Edward H. Flannery, a.a.O., S. 153
49. ebd., S. 155
50. Werner Keller, a.a.O., S. 341
51. Edward H. Flannery, a.a.O., S. 155-156
52. Werner Keller, a.a.O., S. 348
53. Edward H. Flannery, a.a.O., S. 157-158
54. ebd., S. 158
55. Heinrich Graetz, Volkstümliche Geschichte der Juden, 3. Band, R. Löwit Verlag, Wien und Berlin, o.J., 10. Auflage, S. 540
56. Simon Wiesenthal, Jeder Tag ein Gedenktag, Chronik jüdischen Leidens, Ullstein, Frankfurt/M-Berlin 1990, S. 32
57. Edward H. Flannery, a.a.O., S. 171f.
58. ebd., S. 173
59. ebd., S. 189f.
60. ebd., S. 191, 272
61. Edward H. Flannery, a.a.O., S. 192f.
62. ebd., S. 207f.
63. Dennis Prager und Joseph Telushkin, Why the Jews? The Reason for Antisemitism, Simon & Schuster, New York 1983, S.104, zitiert bei Michael L. Brown, a.a.O., S. 7
64. Fritz May, a.a.O., S. 98
65. Nach Fritz May, a.a.O., S. 103
66. Franklin H Littell, Den Holocaust erfinden, Freiburger Rundbrief Neue Folge, 2/1997, S. 111
67. Fritz May, a.a.O., S. 61, 94
68. Rudolf Pfisterer, Verantwortung, Informative Texte: Jüdisch-christlicher Dialog, Strafvollzug, Hänssler-Verlag, Neuhausen-Stuttgart, 1985, S. 217
69. ebd., S. 217 / Eliezer Berkovits, Faith After the Holocaust, Ktav, New York, 1973, S. 19, zitiert bei Michael L. Brown, a.a.O., S. 218
70. Der Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher, Band 3, S. 346, zitiert bei Fritz May, a.a.O., S. 94-95
71. Peter Steffens in: Leny Zomerdijk, Vijftig jaar na Auschwitz, De wereld, Nederland en de moord op zes miljoen Joden, Stichting Berlijn-Evian, Barneveld 1995, S. 11
72. Die Kirchen und das Judentum, Dokumente von 1945 bis 1985, herausgegeben von Rolf Rendtorff und Hans Hermann Henrix, Verlag Bonifatius-Druckerei Paderborn, Chr. Kaiser Verlag München 1988, S. 593f.
73. ebd., S. 601f.
74. Christen und Juden II, Zur theologischen Neuorientierung im Verhältnis zum Judentum, Eine Studie der Evangelischen Kirche in Deutschland, Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn, Gütersloh 1991, S. 29f.
75. Die Kirchen und das Judentum, a.a.O., S. 43
76. Nachrichten aus Israel, Nr. 231, November 1997, S. 16
77. Fritz May, a.a.O., S. 136
78. Edward H. Flannery, a.a.O., S. 295
79. M. Basilea Schlink, a.a.O., S. 39f. |
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Auswahl empfehlenswerter Literatur |
| Schuld der Christen an den Juden
Benz, Wolfgang / Bergmann, Werner: Vorurteil und Völkermord, Entwicklungslinien des Antisemitismus, Herder, Freiburg 1997
Czermak, Gerhard: Christen gegen Juden, Geschichte einer Verfolgung, Eichborn-Verlag, Frankfurt 1991
Freiburger Rundbrief Neue Folge, Zeitschrift für christlich-jüdische Begegnung, Freiburg (Erscheinungsweise vierteljährlich)
Junger, Johannes: Gedanken zu Liebe und Wahrheit, Vereinigung vom gemeinsamen Leben im Oekumenischen Christusdienst (Broschüre), o.J.
Keller, Werner: Und wurden zerstreut unter alle Völker, Die nachbiblische Geschichte des jüdischen Volkes, Droemersche Verlagsanstalt, München/Zürich 1966
Kühner, Hans: Der Antisemitismus der Kirche, Genese, Geschichte und Gefahr, Die Waage, Zürich 1976
May, Fritz: Israel zwischen Blut und Tränen, Der Leidensweg des jüdischen Volkes, Schulte + Gerth, Asslar 1987
Meyer, Enno: Juden und Judenfeinde, Einführung in die Geschichte der Juden von den Anfängen bis zur Gegenwart, Joseph Melzer Verlag, Darmstadt 1966
Pfisterer, Rudolf: Verantwortung, Informative Texte, Hänssler-Verlag, Neuhausen-Stuttgart 1985
Schlink, M. Basilea: Israel - Mein Volk, Evangelische Marienschwesternschaft e.V., Darmstadt-Eberstadt 19937
Spaemann, Heinrich: Die Christen und das Volk der Juden, Kösel-Verlag, München 1966
Wiesenthal, Simon: Jeder Tag ein Gedenktag, Chronik jüdischen Leidens, Bleicher, Gerlingen 1988 / Ullstein, Frankfurt 1990
Jüdische Geschichte
Battenberg, Friedrich: Das Europäische Zeitalter der Juden, Band I: Von den Anfängen bis 1650, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1990
Ben-Sasson, Haim Hillel (Hg.): Geschichte des jüdischen Volkes, Von den Anfängen bis zur Gegenwart, C.H.Beck'sche Verlagsbuchhandlung, München 19943
Dubnow, Simon: Weltgeschichte des jüdischen Volkes von seinen Uranfängen bis zur Gegenwart, 10 Bände, Berlin 1925-1929
Flade, Roland: Die Würzburger Juden, Ihre Geschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart, Stürtz-Verlag, Würzburg 1987
Graetz, Heinrich: Volkstümliche Geschichte der Juden (bis 1848), 6 TB als Nachdruck (dtv) 1985 / Geschichte der Juden, 12 Bände, Berlin 1911-1923
Heer, Friedrich: Gottes erste Liebe, 2000 Jahre Judentum und Christentum, Esslingen 1981
Krupp, Michael: Vergesse ich dein, Jerusalem, Von der Zionssehnsucht zu Israels Wiedergeburt, Sternberg-Verlag, Metzingen 1962
Poliakov, Léon: Geschichte des Antisemitismus, 8 Bände, Worms 1977-1987 (Bände I-VI), Frankfurt 1988 (Bände VII und VIII)
Roth, Cecil: Geschichte der Juden, Von den Anfängen bis zum neuen Staat Israel, 1964
Trepp, Leo: Das Judentum, Geschichte und lebendige Gegenwart, Rowohlt, Reinbek 1970
Über das Judentum
Asaria, Zwi: Feste und Gebräuche der Juden, Kulturverwaltung der Stadt Göttingen, 19733
Geis, Robert Raphael: Vom unbekannten Judentum, Herder, Freiburg 1961
Jaffin, David: Jüdische Feste - christliche Deutung, Liebenzeller Mission, Bad Liebenzell 1990
Sidur Sefat Emet (Gebetbuch hebräisch/deutsch): Victor-Goldschmidt-Verlag, Basel 1993
Walter, Wolfgang: Meinen Bund habe ich mit dir geschlossen, Jüdische Religion in Fest, Gebet und Brauch, St.Benno-Verlag, Leipzig 1988
Englische Literatur
Broadway, Dr. William James: Has the Church Fallen Under a Curse? And if the Whole Congregation Sins, Broadway Ministries, Edmonton 1996
Brown, Michael L.: Our Hands are Stained with Blood, The Tragic Story of the "Church" and the Jewish People, Destiny Image Publishers, Shippensburg 1994
Flannery, Edward H.: The Anguish of the Jews, Twenty-Three Centuries of Antisemitism, Paulist Press, New York/Mahwah 1985
Gilbert, Martin: The Dent Atlas of Jewish History, JM Dent Ltd, The Orion Publishing Group, London 19935
Israel Pocket Library: Anti-Semitism, Keter Publishing House, Jerusalem 1974
Roth, Cecil: A Short History of the Jewish People, East and West, Oxford 1935
Zu diesem Thema außerdem erhältlich:
2000 Jahre christlicher Antisemitismus - Anregungen für einen Bußgottesdienst (16 S.)
Überarbeitet März 1998 © Evangelische Marienschwesternschaft e.V., D-64241 Darmstadt, Postfach 13 01 29
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