ISRAEL, DU BIST NICHT ALLEIN
 Eine Initiative von Christen, die Israel lieben
  * 
 Nationale Solidaritätskundgebung am 10. Mai 2002 um 15 Uhr 
 auf dem Paulsplatz in Frankfurt/Main (Nähe Römer)

Solidaritätskundgebung ''Israel, du bist nicht allein'' am 10. Mai 2002  in Frankfurt/Main


1938 brannten die Synagogen in unserem Land – im Jahr 2002 brennen wieder Synagogen in verschiedenen Teilen der Welt. Damals schwieg die Kirche, und die Christen schauten zumeist weg – heute schweigt die Kirche wieder - und die Christen?
 
 Diesmal wollen wir hinschauen, wenn jüdische Passanten angegriffen, Synagogen beschmiert oder mit Brandsätzen beworfen, Friedhöfe geschändet werden. Wir wollen hinhören, wenn aus der Judenheit in aller Welt die bange Frage aufsteigt: Steuern wir auf einen zweiten Holokaust zu? Wenn die Stimmen der Angst laut werden: „Wir sind so allein. – Niemand steht uns bei. – Wir haben Angst um unsere Kinder ...“

  • Wir wollen uns nicht verschließen vor dem Herzensschrei aus Israel:  
     „Wir brauchen eure Hilfe HEUTE – JETZT!“

  • Wir wollen nicht stumm und untätig bleiben, wenn der Staat Israel in seiner Existenz bedroht wird und man das Volk der Juden abermals auslöschen will. 

  • Wir wollen nicht schweigen, wenn sich die politische und gesellschaftliche Meinung zunehmend gegen den Staat Israel und das Volk der Juden wendet.

Als Christen in Deutschland wollen wir die Herausforderung annehmen. Die Liebe zu Gott und Seinem auserwählten Volk drängt uns dazu – und die schuldbeladene Vergangenheit unserer Nation verpflichtet uns.  Gottes Wort hat nichts von seiner Gültigkeit verloren:
Wer euch antastet, der tastet meinen Augapfel an. (Sacharja 2,12)

Sprecher:  

Pfarrer i.R. 
Winfried Amelung
 
Sächsische Israelfreunde  

Harald Eckert

Christliche Freunde Israels,   
Altensteig 

Yossef Levy

Israelische Botschaft, 
Berlin 

Pastor Rudi Pinke
Christliches Zentrum Frankfurt   


Dr. Jürgen Bühler
 
Internationale Christliche Botschaft, 
Jerusalem

Johannes Facius
Internationale Gemeinschaft
von Fürbittern in Deutschland,
Altensteig

Waltraud Keil
Die Brücke Berlin-Jerusalem

Schwester Pista
Evangelische Marienschwesternschaft, 
Darmstadt

Die Initiative wird unterstützt und mit getragen von: 
Pfarrer i.R.Winfried Amelung, Lothar Klein (Sächsische Israelfreunde), Dr. Jürgen Bühler (Intern. Christliche Botschaft Jerusalem), Johannes und Christel Diekmann (Ruf zur Versöhnung), Harald Eckert (Christliche Freunde Israels), Theo Ellessat (Israel Heute), Johannes Facius (Int. Gem. von Fürbittern), Dr. Christoph Häselbarth (Josua-Dienst; Philippus-Dienst), Hinrich und Elke Kaasmann (Ebenezer Hilfsfonds, Deutschland), Waltraud und Günter Keil (Die Brücke Berlin-Jerusalem), Pastor Rudi Pinke (Christliches Zentrum Frankfurt/M.), Schwester Pista (Evangelische Marienschwesternschaft e.V.), Dan Tracy (Internationaler Bibellehrdienst).   

 


Marienschwester Pista als Zeitzeugin
bei der nationalen Solidaritätskundgebung „Israel, du bist nicht allein"
in Frankfurt/Main am 10. Mai 2002

 

Ja, ich habe sie gesehen ...

Ja, ich habe sie gesehen nach der Pogromnacht November 1938 – die Ruinen der ausgebrannten großen Synagoge in Königsberg. Aber ich wollte nicht richtig hingucken. Ein deutsches Kind – empfindungslos wie Millionen andere.

Nur drei Jahre später: Juden – vom gelben Stern gezeichnet – in Parkanlagen, geängstigt, einsam. Ich habe sie gesehen, aber ich ließ diesen Anblick nicht in mein Herz, kalt, gleichgültig.

Und als vor 60 Jahren zufällig eine SS-Aufseherin zu Besuch kam: Ja, ich habe es gehört, was sie über ein Konzentrationslager sagte – besorgte Eltern aber schickten die erst Vierzehnjährige aus dem Zimmer. Allein das Mitwissen schien zu gefährlich. Ich konnte es nicht wegschieben. Aber ich wollte dieser Wahrheit nicht ins Auge sehen.

Millionen deutsche Verführte taten es ebenso. Kaum einer hatte den Mut, dagegen aufzustehen. Auch die allermeisten Christen riskierten nichts und gaben 6 Millionen Juden preis.

Wer Gottes lebendiges Wort kannte und las, hätte es vorher wissen können. Wir waren gewarnt: Wer Sein Volk antastet – von altersher Israel genannt –, der tastet Gott selbst an.

Als scharenweise verführte deutsche Jugend war uns bekannt, was der Größenwahn des Verführers behauptete: „Es kann nur EIN auserwähltes Volk geben – und das sind wir!"
„Nie wieder!" beteuerten im Lauf der Jahrzehnte viele, die das Dritte Reich miterlebt hatten. Sie meinten es ernst und verpflichtend. 

Doch wie steht es damit heute, wo organisierter Haß wieder die Oberhand gewinnt? Entstellte, unwahre Medienberichte bringen es fertig, uns in kurzer Zeit auf die Seite der Hasser und Verfolger zu treiben, die vor keiner Gewalttat zurückschrecken. Wie kann das möglich sein?

Unsere vermeintliche Buße über das, was Juden durch Deutsche und ihre Helfershelfer im Dritten Reich angetan wurde, hat keine wirkliche Umkehr bewirkt. Menschliches Bedauern und Scham ohne Gottesbeziehung reichen nicht aus. Wir Christen in Deutschland kennen vielfach unseren Gott nicht mehr ...

Unsagbar hat Gottes Volk gelitten während 2000 Jahren christlicher Geschichte. Wir haben Schuld um Schuld auf uns geladen, ihnen unseren Herrn zum Abscheu gemacht. Die schlimmsten Verbrechen an Juden wurden im 20. Jahrhundert von getauften Christen verübt.

Als Sündenbock für jedwedes Übel mußten Abertausende Juden ihr Leben lassen – schon vor der Nazizeit. Doch die Barbarei des Holokaust, der systematische Mord an sechs Millionen Männern, Frauen und Kindern ist beispiellos in der Menschheitsgeschichte. 

Die "Endlösung" war ein bis ins kleinste Detail durchdachter Plan – kaltblütig ausgeführt von einem der gebildetsten Völker der Welt – und zugleich von einem der arrogantesten und verführtesten. Auschwitz funktionierte dank deutscher Technologie, Tüchtigkeit und Organisation. 

Kein Volk, keine Ideologie, kein System hat je in so kurzer Zeit ein solches Ausmaß an Brutalität, Leid und Demütigung über ein anderes Volk gebracht wie das deutsche über das jüdische. 

Voll Schmerz und tiefer Scham bekenne ich diese Schuld als Glied meines Volkes. Wir sind es, die eine Übeltat auf die andere gehäuft haben. In ihrer schwersten Stunde, als man die Juden in den Tod hetzte, haben wir ihnen kein Erbarmen gezeigt.

Was können wir tun, daß heute unter anderem Vorzeichen nicht wieder gleiches geschieht? Damals haben unsere Väter geschwiegen. Heute können wir als Bürger eines demokratischen Landes unsere Stimme erheben. 

Wir bitten unsere Regierung: Lassen Sie keinen Boykott israelischer Waren zu! Halten Sie Ihre Abmachungen ein – Lieferung der Ersatzteile! Durch nichts werde die Existenz des Staates Israel als legitime Heimstätte des jüdischen Volkes in Frage gestellt – auch nicht das seit 35 Jahren ungeteilte Jerusalem als seine ewige Hauptstadt!

Der Haß, der Juden das Lebensrecht abspricht, gilt letztlich dem lebendigen Gott. IHN wollen wir nicht in Seinem Anspruch an uns, wenn wir die Existenz Israels nicht wollen und Juden neu durch Gleichgültigkeit preisgeben.

Lassen Sie uns hier innehalten und in einer Minute des Schweigens all derer gedenken, die in ihrem Land Israel unversehens vom Verderben ereilt wurden – der fast 500 Terroropfer der letzten anderthalb Jahre.

 – Schweigeminute – 

anschließend folgendes Gebet, in Klagemelodien hineingesprochen:


Tröste, Ewiger, unser Gott, tröste die Trauernden Zions 
und die Trauernden Jerusalems ... 
Zion – bitterlich weint es, und Jerusalem erhebt seine Stimme: 
Mein Herz weint um ihre Erschlagenen ... 
Du, Ewiger, wirst sie wieder aufbauen, wie verheißen ist: 
Und Ich werde ihr sein eine Feuermauer rings, 
und zur Herrlichkeit werde Ich sein in ihrer Mitte. 
Gelobt seist Du, Ewiger, der tröstet Zion und baut Jerusalem! 

Gebet an Tischa be-Aw aus dem jüdischen Gebetbuch